Das Ministerium für Inneres der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak hat bekanntgegeben, dass die Arbeiterpartei Kurdistans, die PKK, heute aktiv versucht habe, mit Verlegung zusätzlicher Kämpfer aus Syrien nach Schingal „Chaos“ zu stiften. In der Erklärung des Innenministeriums wird betont, dass nur die PKK für die Tumulte verantwortlich sei. Dabei wird mit keinem Wort erwähnt, dass auf die Demonstranten geschossen, ein 16-jähriges Mädchen getötet und mindestens drei von ihnen verletzt wurden. Nur durch das beherzte Eingreifen ziviler Polizisten sei Schlimmeres verhindert worden.

Wenn wir uns nur die Fakten vor Augen führen, wird eins deutlich: Die Öffentlichkeit wird bereits auf eine offene Eskalation vorbereitet.

Während PKK-nahe Stellen davon sprechen, lediglich Jesiden nach Shingal gebracht zu haben, die an der Demonstration gegen die Politik der PDK teilnehmen wollten, will Irbil eine Art Truppenverlegung nach Khanesor beobachtet haben. Weiter sei nur die PKK für das veranstaltete Chaos verantwortlich, wohingegen Jesiden aber berichten, dass die Peschmerga das Feuer auf die Demonstranten eröffnet hätten.

Das zeigt erneut die sich verschlimmernde Lage im Zentrum des jesidischen Siedlungsgebiets.

Wenn sich nach dem Krieg gegen ISIS – also in absehbarer Zeit – mindestens die PKK und PDK nicht an einen Tisch setzen sollten und eine politische Lösung nicht als Maxime in Betracht gezogen werden sollte, bedeutet das eine neue blutige Frontlinie auf Kosten der Jesiden. Im Endeffekt sind sie dann diejenigen, die in jeder Hinsicht den Verlust hinnehmen müssen: Denn die YBŞ (Widerstandseinheiten Shingals), die von der PKK ausgebildet wurde, und die Peschmerga, die in Shingal eingesetzt werden, bestehen nahezu gänzlich aus Jesiden.

Es bleibt nur zu hoffen, dass der Erklärung Vertrauen geschenkt werden darf: Darin heißt es, dass das Innenministerium auf keinen Fall einen Konflikt mit der PKK in Kauf nehmen wolle.

Dagegen spricht aber, dass Irbil heute 500 arabisch-sunnitische Peschmerga nach Shingal verlegt hat. Das Warum bleibt bislang unbeantwortet.